Alraune

Alraune – die mystische Zauberpflanze

Kaum eine andere Pflanze hat in den letzten Jahrtausenden mehr Mystik und Zauberkraft auf sich vereinigt, wie die Alraune. Der offizielle Name (Mandragora officinalis) täuscht über den Glauben und Aberglauben dieser Zauberpflanze hinweg. Der Alraune werden magische Kräfte nachgesagt, die heilend oder zerstörerisch wirken können.

Aussehen und Herkunft der Alraune

Die Alraune zählt zur Familie der Nachtschattengewächse. Die krautige, mehrjährige Pflanze bildet stengellose Blattrosetten mit einem Durchmesser von über einem Meter. Die fünf bis fünfundzwanzig Zentimeter langen Blätter sind eiförmig und am Rand gezähnt oder unruhig gewellt. Aus der Blattrosette wächst eine drei bis vier Zentimeter große, violette Blüte. Oberirdisch trägt die Pflanze kugelig, orangerote Beeren, die ausgereift einen unangenehm riechenden Duft verbreiten. Unterirdisch bildet die Alraune eine dicke Pfahlwurzel von bis zu dreißig Zentimetern Länge, die oft mehrmals geteilt ist. Durch die so entstandenen Gabelungen, ähnelt die Alraunenwurzel einem alten, kleinen Menschlein.

Alraunen sind in frostfreien Gefilden anzutreffen. Dazu zählen der Mittelmeerraum, Nordafrika, Kleinasien und der Nahe Osten. In Gewächshäusern gelingen auch Züchtungen in den nördlichen Ländern.

Mystik rund um die Alraune

In erster Linie wurden der Alraune wegen ihres Aussehens Zauberkräfte zugeschrieben. Eine menschenähnliche Wurzel muss dem Aberglauben nach, Magie entfalten. Die gefährlichste aller Zauberpflanzen war der wirksamste Bestandteil von Hexentränken und Hexensalben, nur so konnten die Hexen fliegen. Niemals sollte ein Mensch die Alraunenwurzel eigenhändig ausgraben. Der Schrei der Alraune sei so durchdringend und schrecklich, dass der Mensch augenblicklich in tiefe Bewusstlosigkeit fällt oder gar versteinert wird. Der glückliche Finder soll stattdessen seinen Hund die Ausgrabungsarbeit übernehmen lassen, so das dieser statt seines Herren zu Stein erstarrt.

Alraune als Heilpflanze

Ähnlich der Belladonna wurde die Alraune in den letzten 4000 Jahren als Heilmittel verwendet. Eine Tinktur aus der Alraune gaben die Heilkundigen an Erkrankte weiter, die unter Magengeschwüren, Koliken, Keuchhusten oder Asthma litten. Die in der Alraune enthaltene, schmerzstillende Substanz Scopolanum, wurde Jahrhundertlang als Mittel zur Ruhigstellung von Patienten verwendet. So konnten Knochenbrüche fast schmerzfrei gerichtet oder Zähne gezogen werden. Selbst in späteren Jahrhunderten wurde die Alraune zur Vorbereitung einer Narkose den Patienten verabreicht.

Alraune erobert die Literatur

Kaum ein großer Dichter konnte die Mystik der Alraune ignorieren. Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine oder zuletzt Joanne K. Rowling – die magische Zauberkraft der Alraune zieht sich durch die Literatur.

So schreibt Shakespeare in Romeo und Julia:

„Wenns kreischt, als gräbe man Alräunchen aus,
bei deren Ton der Mensch von Sinnen kommt“

Goethe lässt außerdem Mephistos Erstaunen über den Aberglauben in Faust einfließen:

Da stehen sie umher und staunen
Vertrauen nicht dem hohen Fund,
Der eine faselt von Alraunen,
Der andre von dem schwarzen Hund.

Heinrich Heine widmet der Alraune im Gedicht Waldeinsamkeit einen Vers:

Die klügsten Waldgeister sind die Alräunchen,
Langbärtige Männlein mit kurzen Beinchen,
Ein fingerlanges Greisengeschlecht;
Woher sie stammen, man weiß es nicht recht.

Joanne K. Rowling nimmt in den Romanen um Harry Potter die bekannten Eigenarten der Alraune auf und strickt um sie die Legende der magischen Zaubertrankpflanze. Alraunenwurzeln brauchen viel Pflege, die kleinen Babypflanzen müssen zur rechten Zeit umgetopft werden. Der Schrei der herausgerissenen Babyalraune führt bei den Zauberschülern nur zur schweren Betäubung mit anschließender Bewusstlosigkeit. Im Gegensatz zur ausgewachsenen Alraune können die Jungpflanzen nicht versteinern.

Welche weiteren Namen der Alraune sind bekannt?

Die Alraune besitzt viele historische Namen, die sich über Jahrhunderte durch Aberglaube und Hexengeschichten in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben. Häufig anzutreffen sind Bezeichnungen, wie: Alraunmännchen, Greisenwurzel, Drachenpuppe, Zaubergreis, Erdmännchen, Liebesapfel, Galgenmännchen, Hexenkraut, Mandragora, Unhold-Wurzel, Zauberwurzel, Flugkraut oder Liebeszauber.

Heutige Verwendung

Alle Teile der Alraune sind hochgiftig aber ein wirksames Arzneimittel. In den Herkunftsländern wird die Alraune auch in der heutigen Zeit als probates Mittel gegen Schmerzen und Krämpfe verwendet. Zu hohe Dosierungen der Alraune führen zum Tod durch Atemlähmung – was einen Großteil des mythischen Aberglaubens erklärt.

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